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Die Presse
Spectrum

WAS ICH LESE: Erich Lessing, Photograph

Ich bin kein Mathematiker , aber ich lebe in der Politik und der Kommunikation; denn Photographie ist nicht nur Dokumentation, sondern auch Kommunikation. So hat mich die Spieltheorie fasziniert, seit ich John von Neumann, einen ihrer Begründer, bei der Arbeit für General Atomics kennenlernte. Das Gefangenendilemma, wer verrät wen, welche Belohnung bekommt er dafür, oder welche Strafe ereilt ihn, wenn der andere ihm zuvorkommt, ist uns ja auf einfachere Art und Weise bei Gesellschaftsspielen immer schon untergekommen. Oskar Morgenstern, der zweite große Spieltheoretiker, hat bei einem seiner Aufenthalte in Wien mein Verständnis erweitert und mir die große Bedeutung der Spieltheorie für Politik, Wirtschaft und Kommunikation erklärt. Daher ist für mich das neue Buch von Alexander Mehlmann, durch die amüsante Darstellung der Materie, vollgepfropft mit Witz und Allgemeinbildung, zur "Bedside"- Lektüre geworden, obwohl ich von der Mathematik noch immer wenig verstehe. Es ist ein Vergnügen, solche Dinge wie das Dilemma des Wettrüstens, Goethes Mephisto, das Handelsketten-Paradoxon und den Wahnsinn des Odysseus unter einen spieltheoretischen Hut gebracht zu sehen; es ist vergnüglich, durch die große Anstrengung, die diese Lektüre erfordert, von Problemen wie der Bundespräsidenten-Wahl oder dem Privatleben von Präsident Clinton abgelenkt zu werden.

Alexander Mehlmanns "Wer gewinnt das Spiel?" ist im Vieweg Verlag, Wiesbaden, lieferbar.